„Im Projekt DIGI-L arbeiten wir derzeit sowohl am übergeordneten strategischen Konzept als auch an kurzfristigen Maßnahmen, und ich freue mich, dass wir trotz Corona-Pandemie im Zeitplan liegen und die ersten Zwischenergebnisse vorstellen können“, so Stadtrat Kowol.

Ausgangspunkt war der Green City Masterplan aus dem Jahr 2018 zur Vermeidung eines Dieselfahrverbots. Mit den Maßnahmen im Bereich Urbane Logistik sollen kurz- bis mittelfristig 5,5 Prozent Stickstoffdioxidemissionen eingespart werden. Die beauftragten Büros Prognos AG mit Unterauftragnehmern für das Stufenkonzept und Dialog Basis für den Beteiligungsprozess arbeiten seit Winter 2019 für die Landeshauptstadt Wiesbaden an dem Projekt. Bis Ende des Jahres soll der Stufenplan den Gremien vorgelegt werden.

Gebiete mit höchstem Handlungsdruck

Erfasst wurden die räumliche Verteilung der Lieferverkehre in Wiesbaden sowie sieben verschiedene Logistik-Quartierstypen. Durch die Verschneidung von Lieferaufkommen und Stadtstruktur konnten Gebiete mit dem höchsten Handlungsdruck identifiziert werden. Insbesondere sind die Innenstadt sowie Stadtteilzentren betroffen.

Die Auftaktveranstaltung von DIGI-L fand im Dezember 2019 statt. Hieran nahmen über 80 Vertreter/innen von Kurier-, Express- und Paket-Dienstleistern, Speditionen, des Einzelhandels, des Handwerks, der Stadtpolitik und weiteren relevanten Stakeholdern teil. Drei Workshop-Phasen mit jeweils vier verschiedenen Workshops haben an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Januar, März und Mai stattgefunden. Die Workshops waren stets gut besucht und von einer inhaltich konstruktiven Atmosphäre geprägt.

Die folgenden Maßnahmen sind bereits in der Umsetzung oder Vorbereitung:

EMILIE ist ein Pilotprojekt zur emissionsfreien, kontaktarmen Belieferung der Bevölkerung. EMILIE ist eine App, mit der Händler und Kurierdienste in Echtzeit kommunizieren können. Das Projekt soll den lokalen Einzelhandel stärken, indem es den Geschäften die Möglichkeit bietet, das Kundenangebot mittels der Einbindung eines Lieferservices zu verbessern.

Förderung von Cargo-Bikes: Seit März 2019 können sich Privatleute und Gewerbetreibende bis zu 1.000 Euro, maximal 25 Prozent des Kaufpreises für ihr Lastenrad erstatten lassen. Die Fördermittel sind aufgrund der starken Nachfrage mittlerweile erschöpft, allerdings besteht die Möglichkeit, eine Landesförderung in Anspruch zu nehmen. Im April 2020 hat das Tiefbau- und Vermessungsamt eine Umfrage unter Lastenradnutzer/innen durchgeführt. Fehlende Parkmöglichkeiten sind der häufigste Grund das Lastenrad nicht zu nutzen, so ein Ergebnis der Umfrage. Deshalb sollen zunächst die Abstellmöglichkeiten verbessert werden.

WiLoad – „intelligente Lieferzonen“: Im ersten Schritt sollen Sensoren implementiert und Daten zur IST-Situation erfasst werden. Dadurch ist ein Erkenntnisgewinn über die Nutzung der Liefer- und Ladezonen zu erwarten. Die damit gesammelten Erfahrungen dienen als Vorbereitung für eine mögliche App-gesteuerte Zugangskontrolle in Phase II.

Versenkbare Poller: Geplant ist ein Pilotprojekt am Hauptbahnhof, um die Fläche vor unbefugtem Befahren zu schützen. Im Rahmen des Pilotprojekts sollten sowohl Erfahrungen mit der Hardware, den versenkbaren Pollern, als auch mit der Software, dem Bediensystem, gemacht werden. Die Ausschreibung ist daher so geplant, dass ein Bediensystem beliebig ausweitbar ist, um gegebenenfalls weitere versenkbare Poller an Ein- und Ausfahrten der Fußgängerzone integrieren zu können.

Mikro-Hubs: Im Rahmen der Workshops für das Stufenkonzept für eine nachhaltige Stadtlogistik haben die Kurier-, Express- und Paket (KEP)-Dienstleister ihre Anforderungen bezüglich Ort und Ausstattung für mögliche Mikro-Depots formuliert. Die Standortvorschläge sind einzeln dokumentiert und wurden einer Vorprüfung unterzogen. Stellungnahmen von anderen Ämtern und städtische Gesellschaften sind eingefordert. Eine Vor-Ort-Begehung mit den KEP-Dienstleistern hat ein großes Interesse am Standort Elsässer Platz gezeigt.